ADR Gefahrgutklassen im Überblick! •PDF• •Drucken• •E-Mail•
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••Sonntag•, den 05. •Juni• 2011 um 01:00 Uhr•

Es gibt zahlreiche Regelungen und Abkommen zum Gefahrguttransport auf der Straße, Schiene, im Luft- und im Wassertransport, z. B. hinsichtlich Verpackung, Ladungssicherung, Kennzeichnung und Transport. Zweck der zahlreichen Vorschriften ist eine sichere Abwicklung der Gefahrguttransporte (Unfallvermeidung) sowie genaue und schnelle Information der Rettungskräfte (Feuerwehr), damit im Unglücksfall dieser als Gefahrgutunfall erkannt und schnellstmöglich die richtigen Maßnahmen ergriffen werden können. Bei der Lagerung und der Verwendung gilt das Gefahrstoffrecht. Hier sind einmal die Gefahrgutklassen aufgelistet.

1

Explosive Stoffe und Gegenstände mit Explosivstoff.


Unterklasse 1.1
Stoffe und Gegenstände, die massenexplosionsfähig sind. Eine Massenexplosion ist eine Explosion, die nahezu die gesamte Ladung praktisch gleichzeitig erfasst.

Unterklasse 1.2
Stoffe und Gegenstände, die die Gefahr der Bildung von Splittern, Spreng- und Wurfstücken? aufweisen, aber nicht massenexplosionsfähig sind.

Unterklasse 1.3
Stoffe und Gegenstände, die eine Feuergefahr besitzen und die entweder eine geringe Gefahr durch Luftdruck oder eine geringe Gefahr durch Splitter, Spreng- und Wurfstücke oder durch beide aufweisen, aber nicht massenexplosionsfähig sind,

  • bei deren Verbrennung beträchtliche Strahlungswärme entsteht oder

  • die nacheinander so abbrennen, dass eine geringe Luftdruckwirkung oder Splitter-, Sprengstück-, Wurfstückwirkung oder beide Wirkungen entstehen.

Unterklasse 1.4
Stoffe und Gegenstände, die im Falle der Entzündung oder Zündung während der Beförderung nur eine geringe Explosionsgefahr darstellen. Die Auswirkungen bleiben im wesentlichen auf das Versandstück beschränkt, und es ist nicht zu erwarten, dass Sprengstücke mit größeren Abmessungen oder größerer Reichweite entstehen. Ein von außen wirkendes Feuer darf keine praktisch gleichzeitige Explosion des nahezu gesamten Inhalts des Versandstückes nach sich ziehen.

Unterklasse 1.5
Sehr unempfindliche, massenexplosionsfähige Stoffe, die so unempfindlich sind, dass die Wahrscheinlichkeit einer Zündung oder des Überganges eines Brandes in eine Detonation unter normalen Beförderungsbedingungen sehr gering ist. Als Minimalanforderung für diese Stoffe gilt, dass sie beim Außenbrandversuch nicht explodieren dürfen.

Unterklasse 1.6
Extrem unempfindliche Gegenstände, die nicht massenexplosionsfähig sind. Diese Gegenstände enthalten nur extrem unempfindliche detonierende Stoffe und weisen eine zu vernachlässigende Wahrscheinlichkeit einer unbeabsichtigten Zündung oder Fortpflanzung auf.

 

2

Gase

Die Klasse 2 umfasst reine Gase, Gasgemische, Gemische eines oder mehrerer Gase mit einem oder mehreren anderen Stoffen sowie Gegenständen, die solche Stoffe enthalten.

Gase sind Stoffe, die bei 50 °C einen Dampfdruck von mehr als 3 bar haben oder bei 20 °C und 101,3 kPa vollständig gasförmig sind.

  1. Verdichtetes Gas
    Ein Gas, das im für die Beförderung unter Druck verpackten Zustand bei -50°C vollständig gasförmig ist.
  2. Verflüssigtes Gas
    • unter hohem Druck verflüssigtes Gas
    • unter geringem Druck verflüssigtes Gas
  3. Tiefgekühlt verflüssigtes Gas
    Ein Gas, das im für die Beförderung verpackten Zustand wegen seiner niedrigen Temperatur teilweise flüssig ist.
  4. Gelöstes Gas
    Ein Gas, das im für die Beförderung unter Druck verpackten Zustand in einem Lösungsmittel in flüssiger Phase gelöst ist.
  5. Druckgaspackungen und Gefäße klein, mit Gas (Gaspatronen)
  6. Andere Gegenstände, die Gase unter Druck enthalten
  7. Nicht unter Druck stehende Gase, die besonderen Vorschriften unterliegen (Gasproben)
Gase können:
  • leichter als Luft
  • schwerer als Luft sein


Gase, die schwerer als Luft sind, können in tiefer liegenden Räumen den Luftsauerstoff verdrängen und somit erstickend wirken.

Das rasche Ausströmen von Gasen kann in den meisten Fällen, außer bei Wasserstoff und Helium, zu einer starken Abkühlung führen. Der direkte Kontakt kann zu Erfrierungen führen.
Wasserstoff und Helium erwärmen sich bei schnellem Ausströme. Bei Wasserstoff kann dies zur Entwicklung von Knallgas und somit zu einer Explosion führen.

Sauerstoff hat brandfördernde Wirkung.

 

3

 

Entzündbare flüssige Stoffe

Klasse 3 umfasst Stoffe sowie Gegenstände, die Stoffe dieser Klasse enthalten, die

  • gemäß Absatz a) der Begriffsbestimmungen für "flüssig" in Abschnitt 1.2.1 ADR flüssige Stoffe sind;

  • einen Dampfdruck bei 50 °C von höchstens 300kPa (3 bar) haben und bei 20 °C und dem Standarddruck von 101,3 kPa nicht vollständig gasförmig sind und

  • einen Flammpunkt von höchstens 60 °C (ab 01.01.2007) haben (wegen der entsprechenden Prüfung siehe Unterabschnitt 2.3.3.1).

Zu den Stoffen der Klasse 3 gehören auch flüssige Stoffe und feste Stoffe die in geschmolzenen Zustand mit einem Flammpunkt über 60°C, die auf oder über ihren Flammpunkt zur Beförderung aufgegeben oder befördert werden. Diese Stoffe werden der UN-Nummer 3256 zugeordnet.

In die Klasse 3 werden auch desensibilisierte, explosive, flüssige Stoffe eingestuft.

 

 

4.1

Entzündbare feste Stoffe, selbstzersetzliche Stoffe und desensibilisierte explosive Stoffe

Klasse 4.1 umfasst entzündbare Stoffe und Gegenstände, desensilibisierte explosive Stoffe, die gemäß Absatz a) der Begriffsbestimmungen für "fest" in Abschnitt 1.2.1 ADR feste Stoffe sind, sowie selbstzersetzliche feste oder flüssige Stoffe.

Der Klasse 4.1 sind zugeordnet:

* leicht brennbare feste Stoffe und Gegenstände (siehe Absätze 2.2.41.1.3 bis 2.2.41.1.8 ADR)
* selbstzersetzliche feste oder flüssige Stoffe (siehe Absätze 2.2.41.1.9 bis 2.2.41.1.17 ADR)
* desensibilisierte explosive feste Stoffe (siehe Absatz 2.2.41.1.18 ADR)
* mit selbstzersetzlichen Stoffen verwandte Stoffe (siehe Absatz 2.2.41.1.19 ADR)

Entzündbare feste Stoffe sind besonders leicht brennbare feste Stoffe und feste Stoffe.
Leicht brennbare feste Stoffe sind pulverförmig, körnige oder pastöse Stoffe, die gefährlich sind, wenn sie durch einen kurzen Kontakt mit einer Zündquelle leicht entzündet werden können. Die Gefahr kann dabei nicht nur vom Feuer, sondern auch von giftigen Verbrennungsprodukten ausgehen. Metallpulver sind wegen der Schwierigkeit beim Löschen eines Feuers besonders gefährlich, da normale Löschmittel wie Kohlendioxid oder Wasser die Gefahr vergrößern können.

 

4.2

Selbstentzündliche Stoffe

Unter den Begriff der Selbstentzündlichen Stoffe fallen solche Stoffe, die sich einschließlich Mischungen und Lösungen (flüssig oder fest), in Berührung mit Luft schon in kleinen Mengen innerhalb von 5 Minuten entzünden. Dazu kommen Stoffe und Gegenstände, einschließlich Mischungen und Lösungen, die in Berührung mit Luft selbsterhitzungsfähig sind. Diese Stoffe können sich nur in größeren Mengen (mehrere kg) und nach längeren Zeiträumen (Stunden oder Tagen) entzünden.

 

 

4.3

Stoffe, die in Berührung mit Wasser entzündliche Gase entwickeln

Klasse 4.3 umfasst Stoffe sowie Gegenstände mit Stoffen dieser Klasse, die bei Reaktion mit Wasser entzündbare Gase entwickeln, welche mit Luft explosionsfähige Gemische bilden können.

 

 

 

5.1

Entzündend (oxydierend) wirkende Stoffe

Stoffe, die selbst nicht notwendigerweise brennbar sein müssen und (im allgemeinen durch Abgabe von Sauerstoff) einen Brand verursachen oder den Brand anderer Stoffe fördern können, sind Stoffe der Klasse 5.1.

 

 

 

5.2

Organische Peroxide

Die gefährlichen Güter der Klasse 5.2 umfassen organische Peroxide und Zubereitungen organischer Peroxide.
Organische Peroxide sind organische Stoffe, die das bivalente -O-O- Strukturelement enthalten und die als Derivate des Wasserstoffperoxids, in welchem ein Wasserstoffatom oder beide Wasserstoffatome durch organische Radikale ersetzt sind, angesehen werden können.
Einzelne Peroxide, z.B. das Acetonperoxid oder das Diacetylperoxid, sind in reinem Zustand hochempfindliche brisante explosive Stoffe, die den Bestimmungen des Sprengstoffgesetzes unterliegen.
Bei unsachgemäßer Handhabung können Explosionen durch thermische oder mechanische Beanspruchung ausgelöst werden.

 

6.1

Giftige Stoffe

Giftige Stoffe, von denen aus der Erfahrung bekannt oder nach tierexperimentellen Untersuchungen anzunehmen sind, dass sie durch die Aufnahme über die Atemwege, bei Aufnahme durch die Haut oder durch die Verdauungsorgane bei einmaliger oder kurzdauernder Einwirkung in relativ kleiner Menge zu Gesundheitsschäden oder zum Tod eines Menschen führen können, sind im Begriff der Klasse 6.1 zusammengefasst.

 

 

6.2

Ansteckungsgefährliche Stoffe

  • Biologische Produkte
    sind Produkte von lebenden Organismen, die in Übereinstimmung mit den Vorschriften der entsprechenden nationalen Behörden, die besondere Zulassungsvorschriften erlassen können, hergestellt und verteilt werden und die entweder für die Vorbeugung, Behandlung oder Diagnose von Krankheiten an Menschen oder Tieren oder für diesbezügliche Entwicklungs-, Versuchs- oder Forschungszwecke verwendet werden. Sie schließen Fertigprodukte, wie Impfstoffe, oder Zwischenprodukte ein, sind aber nicht auf diese begrenzt.

  • Kulturen (Stammkulturen für Laborzwecke)
    sind das Ergebnis eines Prozesses, bei dem Krankheitserreger für die Erzeugung hoher Konzentrationen vermehrt werden, wodurch bei Exposition das Risiko einer Infektion erhöht wird. Diese Begriffsbestimmung bezieht sich auf Kulturen, die für die absichtliche Vermehrung von Krankheitserregern bestimmt sind, und schließt Kulturen, die für diagnostische und klinische Zwecke vorgesehen sind, nicht ein.

  • Genetisch veränderte Mikroorganismen und Organismen
    sind Mikroorganismen und Organismen, in denen das genetische Material durch gentechnische Methoden absichtlich in einer Weise verändert worden ist, wie sie in der Natur nicht vorkommt.

  • Medizinische oder klinische Abfälle
    sind Abfälle, die aus der medizinischen Behandlung von Tieren oder Menschen oder aus der biologischen Forschung stammen.

7.

Radioaktive Stoffe

Radioaktive Stoffe, die Radionuklide enthalten, bei denen sowohl die Aktivitätskonzentration als auch die Gesamtaktivität je Sendung die in den Absätzen 2.2.7.7.2.1 bis 2.2.7.7.2.6 ADR aufgeführten Werte übersteigt.

 

 

 

8.

Ätzende Stoffe

Klasse 8 umfasst Stoffe sowie Gegenstände mit Stoffen dieser Klasse, die durch chemische Einwirkung die Epithelgewebe der Haut oder der Schleimhäute, mit denen sie in Berührung kommen, angreifen oder die beim Freiwerden Schäden an anderen Gütern oder Transportmitteln verursachen können. Unter den Begriff dieser Klasse fallen auch Stoffe, die erst mit Wasser ätzende flüssige Stoffe oder mit natürlicher Luftfeuchtigkeit ätzende Dämpfe oder Nebel bilden.

 

 

9.

Verschiedene gefährliche Stoffe und Gegenstände

Klasse 9 fallen Stoffe und Gegenstände, die während der Beförderung eine Gefahr darstellen, die nicht unter die Begriffe anderer Klassen fällt.